Berich

Die Geschichte von Berich an der Eder

Die Gründung eines Klosters wird vor 1196 angenommen. Der Erzbischof von Mainz bestätigte in einer Urkunde die Stiftung eines Nonnenklosters von dem Edelmann Egeloph (oder Egenloph), wahrscheinlich vom Geschlecht derer von Battenberg. 1226 wird das Kloster urkundlich als „Locus. qui Birkee nominatur“ erwähnt, was so viel bedeutet wie „Ort welcher Birkee genannt wird“. Über die Herkunft und Bedeutung des Names Birkee streitet man sich. Leitet er sich von Birke (mhd. birche, engl. birch). Dafür würde sprechen, dass der irisch/englische männlicher Name „Birkee“ Island of birch“ (Birkeninsel, Birkenhain) bedeutet. Andererseits könnte er sich auch von Berg ableiten, da 1237 urkundlich der Name „Berche“ für das Kloster verwendet wurde. In der hiesigen Mundart sagt man für Berg auch Berch. Allerdings leiten sich die Flurnamen meistens von älteren Sprachen und Sprachgebräuchen ab und haben sich dabei in den Jahrzehnten und Jahrhunderten verändert. Oder leitet er sich, wie der Heimatforscher Varnhagen als 3. Möglichkeit anführt, von Bär ab. Dafür würde sprechen, dass das Tal, welches sich nord-westlich von Berich durch den Wald zieht, noch heute Bärental heißt. Wobei hier auch nicht sicher ist, ob dieser Name sich tatsächlich von Bären ableitet.

Zunächst zogen Benediktinernonnen in das Kloster ein. Als das Kloster mehr und mehr verarmte wurde es 1463 an Augustiner Chorfrauen übergeben. Die Nonnen wirtschafteten mit der mitgebrachten Mitgift, den vorhanden Böden und der Viehzucht so gut, dass es lange Zeit als eines der reichsten Klöster im größeren Umkreis galt.

Um 1530 erfasste die protestantische Bewegung das Waldeckische und setzte sich hier durch. Die Nonnen des Kloster, zu dieser Zeit noch 4, nahmen die lutherische Lehre an. Zwar ging das Kloster mit seinen Ländereien in den Besitz des Grafen von Waldeck über, der Klosterbetrieb ging aber unter der Führung der Nonnen bis 1566 weiter. In 1566 verstarb die letzte Priorissa Anna von Weyters. Damit wurde der Klosterbetrieb aufgegeben und der Graf von Waldeck setzte einen Verwalter (Meier) ein. 1577 entschied der Graf die Einrichtung einer höheren Bildungsstätte, das fürstliche Landesgymnasium in Korbach. Zur Finanzierung des Betriebs dieser Schule stiftete er die jährlichen reichen Einnahmen des Gutes Berich dem Landesgymnasium. Davon konnten die Lehrer den Betrieb der Schule und die eigenen Einkommen sehr gut finanzieren. 1617 tauschte der Graf Christian Ludwig von Waldeck die Einnahmen des Landesgymnasiums von Berich gegen die Einnahmen des Klostergutes Ober-Werbe aus. Diese waren bedeutend geringer. Man kann sich vorstellen, dass die Lehrer darüber nicht gerade erfreut waren.

Zum Jahr 1753 wurde die Meierei Berich aufgelöst und die Ländereien in 10 Erbpachtteile aufgeteilt. Um diese konnte sich beworben werden. Jeder der Erbpächter bekam auf dem Klosterplateau eine Parzelle für Wohnhaus und Stallung zugeteilt. Zum Bau der Gebäude konnte aus dem angrenzenden Wald das Bauholz kostenfrei geschlagen werden. Erst jetzt entstand ein Kirchdorf, welches nur 159 Jahre Bestand haben sollte. Zu dem Dorf gehörten auch die flussaufwärts liegende Bericher Hütte, Bericher Mühle und eine Molkerei, sowie das Gut Vornhagen und die Stollmühle, die beide flussabwärts lagen.

1877 wurden die Erbpachtverträge gegen eine Zahlung von 39.000 Mark aufgelöst und die gepachteten Ländereien gingen in das Eigentum des jeweiligen Dorfbewohners über. 1898 bis 1899 wurde, wie auch in den benachbarten Dörfern der Eder, die erste massive Brücke über die Eder gebaut und am 16. Juli 1899 wurde die Einweihung groß gefeiert. Vor Stauung der Eder wurde diese Brücke von Pionieren gesprengt.

Der 1. April 1912 war der Tag des endgültigen Abschieds der Dorfbewohner von Berich an der Eder. Für kurze Zeit zogen in die noch bewohnbaren Häuser - viele waren bereits abgerissen oder Ruinen – Arbeiter, die an der Sperrmauer beschäftigt waren. Im Herbst wurden dann die Gebäude und Gebäudeteile gesprengt und angezündet.


Die Ruine der Bericher Klosterkirche um ca. 1940 bearbeitet und coloriert von Helge Franz, Waldeck


In 1914 erfolgte der entgültige Anstau der Eder und für den 15. August 1914 * war die offizielle Einweihung der Edertalsperre (damals Waldecker Talsperre genannt) durch das Kaiserpaar geplant. Dazu kam es jedoch nicht, da am 1. August 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach. Angeblich soll es einen Ersatztermin (25.08.1914) gegeben haben, dies wurde mündlich berichtet, ein angeblicher Zeitungsartikel dazu konnte aber bisher nicht beigebracht werden **. Einen Monat zuvor, am 7. Juli 1914 weihten die (Neu-)Bericher ihre um 2 Joch verkürzt aufgebaute Klosterkirche ein, die nun statt dem Schieferdach ein Ziegeldach bekommen hatte und ebenso ein der Kirche gerecht werdendes Eingangsportal (siehe Bild unten) an der Frontseite. Dies stammt von der Bericher Hütte. Die Kosten für den Ab- und Aufbau der Bericher Klosterkirche betrugen 35.000 Mark. Für die Kirche erhielten die Bericher von dem preußischen Staat lt. Vertrag 50.000 Mark. Für Grund und Boden wurden zusätzlich 1.200 Mark gezahlt.

Weitere umgesetzte Gebäude aus Berich siehe [hier].


** bekannt ist lediglich, dass der Kaiser am 24. August 1918, kurz vor seiner Abdankung im November 1918, noch einmal zur Edertalsperre reiste.


Teil der Bericher Hütte mit Eingangsportal



Berich in Farbe - Dorfmodell


Bis 1885 beerdigten die Bericher ihre Toten auf dem Kirchhof etwas oberhalb der Klosterkirche. Ab 1885 bis Januar 1906 wurden die Toten auf dem neu geschaffenen Friedhof "an der tiefen Hecke" beerdigt. Als man erfuhr, dass die Edertalsperre gebaut werden sollte, wurde erneut ein Friedhof außerhalb des Sperrenbeckens angelegt. Er lag dort, wo von der Straße nach Waldeck ein Waldweg abzweigte. Zwei auf dem Fiedhof "an der tiefen Hecke" bestatteten Bericher wurden auf den neuen Friedhof umgebettet. [mehr]


Die Ruinen von Berich


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