Aus dem Umland



Schon von Weiten sieht man den hohen Bergkegel, auf dem sich die Ruinen der ehemaligen Weidelsburg befinden. Dieser Berg war Jahrhunderte lang als strategischer Ort bekannt und bedeutsam. Schon Karl der Große soll auf seinen Zügen gegen die Sachsen diesen Ort genutzt haben, von dessen Höhe man weit in das Umland blicken kann.

Wer einstmals die Burg erbaut hat, ist nicht mehr eindeutig nachweisbar. Wahrscheinlich war es aber ein Ritter aus dem Geschlecht derer von Wedelberg. Hiernach ist Berg und Burg benannt. Der Name hat sich in den Zeiten verändert, wie dies oft bei anderen Flur- und Städtenamen auch zu beobachten ist. Irgendwann hieß der Berg dann Weidelsberg und die Burg Weidelsburg.

Um das Jahr 1150 wurde die Burg von einem Ritter von Schwalenburg erworben, der sich später Volkwein von Nuvenburg nannte. Dieser erbaute dann einige Jahre später auf einem südlich gelegenen niedrigeren Berg, die Nuvenburg (neue Burg) und gründete um 1200 das Städtchen Naumburg (wahrscheinlich ursprünglich Nuvenburg genannt). Nach Volksmundüberlieferungen soll zwischen der Nuvenburg und der Weidelsburg ein unterirdischer Gang gegraben worden sein, wodurch beide Burgen miteinander verbunden waren. Der Ritter von Schwalenburg starb 1216 auf der Nuvenburg. Die beiden Burgen gingen als Erbe an seinen Sohn Wittekin, der sie dann je zur Hälfte an seine beiden Söhne Volkwin II und Wittekin vererbte. Die letzten veräußerten die Burgen zunächst an den Landgrafen von Hessen (Vertrag über 1500 Mark Silber). Nachdem dieser Vertrag aber nicht vollständig seitens des Landgrafen Hessens erfüllt wurde, gingen die Burgen an den Fürsten und Erzbischof Werner von Mainz aus dem Geschlecht derer von Eppstein. Zumindest befinden sich die Burgen um 1274 im Besitz der Mainzer.

Hessen wollte die strategisch wichtig Burg nicht aufgeben und so kam es in den Folgejahren (bis in das 15. Jh.) immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hessen und Mainz. Bereits 1278 wurde die Weidelsburg durch Hessen und Waldeck zerstört. Es soll nur noch ein kleiner Rest der Burg stehen geblieben sein, alles andere wurde dem Erdboden gleich gemacht. Nach der Limburger Chronik wurde die Burg 1380 wieder aufgebaut. Der Bauherr hierzu ist aber nicht überliefert. Waren es die Hessen, die Waldecker oder doch eher die Mainzer, die die Burg wieder errichteten? 1403 befindet sie sich jedenfalls wieder in Mainzerischen Besitz.

Seit 1345 war die Nuvenburg und der strategische Platz mit den Ruinen der Weidelsburg an die damaligen Amtmänner von Naumburg, die Ritter von Hertinghausen, und an die Grafen von Waldeck für 1000 Mark Silber verpfändet. Nach dem Wiederaufbau der Weidelsburg zog hier der Ritter von Hertinghausen ein und später der streitsüchtige und gefürchtete Ritter von Dalwigk. Die Nuvenburg wurde vorübergehend von den Waldecker Grafen bewohnt.

Die Ritter von Hertinghausen nahmen die Burg von Anfang an mehr und mehr ihren Besitz und verweigerten den Mainzern als auch den Mitpfandherrn, den Grafen von Waldeck, die Öffnung der Burg. Als sie dann 1437, ohne die ordentlichen Eigentümer zu fragen, die Burg als Lehen dem Landgrafen von Hessen anzutrugen – der sich dafür wohl recht großzügig zeigte - , kam es wieder zu heftigen Fehden zwischen Mainz, Hessen und den Herren von Hertinghausen.
Im Verlauf derer kam es am 30. März 1448 zu einem Vergleich zwischen Hessen und Mainz, durch welchen der Friede wieder hergestellt wurde. Nach diesem Vergleich ging die Lehnsherrschaft dauerhaft auf die Hessen über und die Herren von Hertinghausen mussten dabei auf alles verzichten, was sie durch den eigenmächtigen Lehnsantrag erhalten hatten. Der Ritter von Dalwigk wurde aufgefordert, die Burg zu verlassen, was er aber nicht freiwillig tat, sondern erst von der Burg vertrieben werden musste.

Später wurde die Burg von dem Herrn von Gutenberg bis Mitte des 30jährigen Krieges bewohnt. Wahrscheinlich kam es im Verlauf des 30jährigen Krieges bereits zu teilweiser Zerstörung der Burg. Der Rest der Burg ist dann nach und nach verfallen.

Heute ist die Burg ein beliebtes Ausflugsziel und von ihrem restaurierten Turm kann man weit ins Waldeckische, ins Kassler Land und nach Westfalen blicken.


(vergl. hierzu auch „Geschichte der Weidelsburg“ von Jacobi, Verlag w. Borner, Wolfhagen, 1938)



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