Sagen

Aus dem Waldecker Land



Die Sage von der Gründung der Burg Waldeck


Einst, man kann nicht mehr genau sagen im welchem Jahre dies war, kam ein Graf mit seinen Rittern das Edertal hinauf gezogen. Sie waren auf der Suche nach einem Platz für eine Burg. Als sie durch die Engstelle oberhalb des heutigen Ortes Hemfurth geritten waren, trafen Sie auf einen Schäfer, der dort in der Mittagssonne an einem schattigen Platze sich ausruhte.

Sie ritten zu ihm hin und fragten, wo denn hier ein geeigneter Ort für den Bau einer Burg wäre. Der Schäfer hob seinen Fuß und zeigte mit ihm auf eine felsige Stelle auf der ihm gegenüber liegenden Bergkette und sagte: "dort oben an der Waldecke".

Der Graf dankte für die Auskunft und der Zug begab sich auf den beschwerlichen Weg zur besagten Stelle. Von hier konnten Sie rundherum weit in das Land blicken und sie erkannten, dass der Schäfer Ihnen einen guten Platz gewiesen hatte. Und so begannen Sie an der Stelle mit dem Bau der Burg. Die Burg benannten sie nach dem Ausspruch des Schäfers "Waldeck".

In späteren Jahren gelangte die Burg in den Besitz der Grafen von Schwalenberg. Als das Reich der Herren von Schwalenberg aufgeteilt wurde, nannte sich derjenige, welcher auf die Burg Waldeck zog Graf zu Waldeck. Damit wurde das Geschlecht der Herren von Waldeck gegründet.

Noch heute wohnt im Schloß zu Arolsen ein Nachfahre des Fürstengeschlechts. Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont.



Gedicht vom Wichtelstein an der Burg Waldeck


von Hr. Danzglock (abgedruckt in: Schwarz-Rot-Gold, Waldeckisches Heimatbuch, Band 1, erschienen in 1906, Autor: Chr. Fleischhauer, Verlag Conr. Hundt)

Das Gedicht erzählt, dass in den Felsen, dort, wo am Burgweg ein hoher Fels sich reckt und abzustürzen droht, der Eingang zum Reich von Wichteln war. Als die Ritter dort mit dem Bau der Burg begannen, haben die Wichtel ganz behände beim Bau mitgewirkt, so dass die Burg in kürzester Zeit und von bester Qualität fertiggestellt war.

Dies freute die Ritter, nur eins machte ihnen Sorge. Der Fels am Burgweg, der sich möglcher Weise lösen und abrutschen könnte. So sprach der Burgherr zu dem Baumeister "Schaff mir den Fels zu Tale". Der Baumeister, der um die Wichtel wusste, entgegnete: Damit zerstören wir das Reich der Wichtel. Dann ziehen diese weiter und bringen den Segen Anderen an anderem Ort.

Der Burgherr wollte davon níchts wissen, was kümmerten ihm die Kleinen, vor Größeren müsste er sich in Acht nehmen. In der folgenden Nacht, als der Burgherr im Schlaf lag, kamen die Wichtel und sangen ihm in einem Lied von ihrer Not und baten darin, den Wichtelstein stehen zu lassen. Dieser sei mit Fesseln und zähem Edergold gesichert. Rechts wäre er zusätzlich mit einem Kreuz und links mit einem Stern verankert. Nur die Gier nach dem Gold könnte ihn ins Wanken bringen, doch solange diese unterbunden wäre, wäre auch die Burg sicher.

Der Ritter hatte dies im Schlaf vernommen und sprach am nächsten Morgen zum Baumeister: "Der Wichtelstein bleibt stehen". Und so stehen heute noch Burg und Wichtelstein.

Zum Gedicht [hier]



Die Wichtel von Schloß Waldeck

An klaren Abenden erblickt man von der Galgenhecke, vom höchsten Hügel des Waldecker Berges, fern im Südosten über’m blauen Saume der Ederberge die Zinnen einer grauen Burg und sieht beim Sinken der Sonne in roten Gluten ihre Fenster brennen: es ist Schloss Waldeck, die alte Stammburg unseres Fürstenhauses.

Wohl ein Jahrtausend mag verflossen sein, seit ihr Erbauer mit den Hollen, dem Zwergenvolke, das in den Ederbergen, besonders aber tiefinnen im Schlossfelsen hauste, über den Burgbau einen Vertrag abschloss. Der Graf von Waldeck versprach Eck *), dem mächtigen Herrscher der Ederzwerge, die Bergestiefen unter seinem Schlosse für alle Zeiten zu sicherem Besitz, zu einer ungestörten Heimstatt, wo die Hollen unter Schutz und Hut der Grafenburg in Frieden hausen sollen, so lange es ihnen beliebt. Dagegen verpflichtete sich der Zwergenherrscher, die Grundmauern der Burg so felsenfest zu erbauen und verfugen zu lassen, dass das Schloss niemals sinken und fallen kann. Zugleich gelobte Eck, in seinem Reiche nach Kräften alles Recht zu hüten und alles Unrecht zu sühnen.

Der Eingang zum unterirdischen Zwergenschlosse liegt hinter dem großen Felsen, dem Treustein, von dem die Sage geht, dass er den letzten Schlossherrn von Waldeck unter seiner Last und Masse begraben würde. Auf dem Treustein halten die Zwerge oftmals zur Mitternachtsstunde ihre Zusammenkunft.


Beim Heimgange eines waldeckischen Grafen oder Fürsten schlägt Eck mit seinem funkelnden Hammer aus Edergold dreimal auf den Felsen. Dann wird’s im Nachtdunkel an allen Hügeln und Hängen der Eder lebendig. Zahllose Lichtchen blitzen auf, wie Glühwürmchen, die im Funkenflug durch die Sommernächte schwärmen und schwirren. Es sind die Leuchten der Hollen, die von allen Bergen her Schloss Waldeck zueilen, um ihrem seligen Herrn das Totenamt zu halten. Weithin hellt dann der Schein ihrer Lichtchen das dunkle Edertal. Die Gedächtnisfeier zu Ehren des Entschlafenen beginnt, eine wundersame Stunde im dunkeln Schweigen der Nacht. Nur aus dem Tale herauf klingt leises Wellenrauschen. Lange, lange redet Eck zur lautlos lauschenden Schar. Wenn er am Ende ist, schwören die Hollen ihrem neuen Herrn den Treueid, und nach dem Arolser Schlosse hingewandt, rufen sie alle:

„Sei stets in edlem Streben
Den hohen Ahnen gleich,
So wird, o Herr, dein Leben
An Glück und Liebe reich“.

Und wieder klingt dann Ecks Goldhammer dreimal auf den Felsen nieder. Die Lichtchen der Hollen huschen auseinander. Eilig suchen sie wieder die Bergestiefen, ihre Wohnungen auf, ein unzähliges Gewimmel.

Auch eine Blume hüten und hegen die Zwerge, die einen schwarzen Stängel, rote Blüten und goldene Blätter hat. Sie wächst in tiefer Waldeinsamkeit und wird unsichtbar, sowie eine Menschenhand sich nach ihr ausstreckt. Nur wenige haben sie gesehen; aber wer auch nur im Vorübergehen ihren Duft geatmet hat, den treibt Heimatsehnen sein Leben lang. Oft geht durch die tiefe Waldesstille ein heimliches Singen und Klingen und Sonntagskinder erlauschen wohl einmal ein leises zauberisches Lied:

„Es hegen die Zwerge ein Blümelein
Im Schoße der Berge, gar selten und fein.
Schwarzzweiglein, rote Blüten und Blätter von Gold
Ein Blühen und Duften gar wonnig und hold.
Wes Seele träumend den Würzruch trank,
Den macht ein Sehnen, ein Heimweh krank;
Dem wird in der Fremde das Herz so schwer,
Wie Heimruf winkt’s ihm aus Fernen her.
Leis’ locken die Glocken der Jugendzeit,
Und Spiele und Lieder, verklungen so weit,
Und Wälderrauschen und Quellensang,
Die traute Hütte am Bergeshang:
Komm wieder zum Dörfchen im Flurengrund,
Wirst im Heimatfrieden froh und gesund“.


Eck (Herrscher über Wichtel und Hollen)

*) Eck - Der oberste der Ederzwerge - (siehe hierzu auch: Übersetzungsfehler von einer alten Schrift [Klick])



Die Sage vom Schatz im mittleren Edertal


Eine Sage erzählt von einem ehemaligen See, der vor Urzeiten im mittleren Edertal gelegen haben soll, da wo heute der Edersee das einstige Tal überdeckt. In der Sage wird berichtet, dass der Hopfenberg, die heutigen Ederseeinseln, bis zum gegenüberliegenden Ufer reichte und so flussaufwärts das Wasser der Eder zu einem natürlichen fischreichen See staute. Auf den Höhen über dem See lebte ein armes Volk und dessen König. Als der König im Sterben lag, richtete er die letzen Worte an sein Volk. Er sagte, dass auf dem Grund des Sees ein kostbarer Schatz läge. Nach seinem Tod baten die Untertanen des verstorbenen Königs 12 Riesen, die Felsen beim Hopfenberg aufzubrechen, sodass sie in den Besitz des Schatzes gelangen könnten. Dies taten die Riesen dann auch und das Wasser des Sees floss ab. Zurück auf dem Talgrund blieb einer der fruchtbarsten Ackerböden. So hatten sie seitdem reiche Ernten und ihre Not war gelindert. Die Felsbrocken aber, welche die Riesen nach getaner Arbeit von ihren Spaten abklopften, tragen heute die Burg Waldeck.


Siehe hierzu auch: Reformführer durch das Gebiet der Edertal-Sperre, Verlag von Max Augustin, Kassel, 2. Auflage


Die Bericher Variante dieser Sage finden Sie auf www.wichtelkönig-eck.de.



Edergold

Vor langen, langen Zeiten da lebte auf der Burg Viermünden an der Eder ein Ritter gleichen Namens. Auf Kriegszügen im fernen Ungarland hatte ein reiches Edelfräulein kennengelernt, das er sehr liebte. Er nahm es zu seiner Gemahlin und brachte es heim nach Viermünden auf seine Burg. Acht Tonnen feinstes Gold brachte seine Angetraute als Mitgift mit auf die Burg. Sie verbrachten zusammen ein glückliches Jahr in den Ederbergen und das Edelfräulein schenkte dem Ritter ein Knäblein, welches hernach Kurt genannt wurde. Doch starb die Gemahlin des Ritters bei der Geburt des Jungen.
Der Ritter war lange Zeit voll Trauer über den Verlust seiner Liebsten. Nur durch die unablässigen Bitten seiner Verwandten und Burgmannen, er solle doch wieder auf Brautschau gehen und dem alten Edelsitze wieder eine Herrin geben, brachten ihn dazu nach Jahren wieder zu heiraten.
Diesmal wählte er eine Ritterstochter aus dem Hessenland. Auch diese schenkt ihm einen Knaben, welchen sie Hold nannten. Zu seiner großen Betrübnis musste der Rittersmann bald erfahren, dass sein geliebter Sohn Kurt, der schönen Ungarin Kind, seiner neuen Gemahlin von Tag zu tag mehr im Wege war. Hold, ihr eigener Sohn und Liebling, wurde dem Kinde der Fremden bei jeder Gelegenheit vorgezogen.

Jahre waren vergangen. Im Gefolge des Grafen von Waldeck musste der Ritter von Viermünden nebst seinem Sohn Kurt, der inzwischen zum Jüngling herangewachsen war, an einem Kriegszug teilnehmen. Wie üblich tat er vor Scheiden seiner Gemahlin seinen letzten Willen kund, wonach dem jüngeren Sohn Hold die Burg Viermünden zufallen sollte, Kurt aber das Erbteil seiner Mutter, die acht Tonnen feinstes Gold, die wohlverwahrt in der Schatzkammer seiner Burg gelagert waren, bekommen sollte. Der Ritter dachte, dass sich sein Sohn Kurt von diesem Gold einmal einen anderen Edelsitz kaufen oder bauen könnte und auf diesem dann in Frieden leben könnte. Beide zogen dann aus zum Kampfe.

Nach langen, schlimmen Kriegsjahren war Kurt allein auf dem Weg zur Heimat. Sein Vater, wie auch sein Pate, der Graf von Waldeck, waren gefallen. Er selbst hatte sich Ruhm und Ehre errungen und als Lohn für sein tapferes Verhalten den Ritterschlag empfangen.
Inzwischen war längst seiner Stiefmutter die Kunde vom Tode ihres Gatten zu Ohren gekommen und in ihrer Seele reifte ein teuflischer Plan.

Als der Wasserstand der Eder niedrig war, ließ sie den Fluss am Ufer abdämmen und von einem ihr treu ergebenen Diener, den sie durch reiche Geschenke bestochen hatte im Flussbett, nahe dem Ufer ein Gewölbe mauern. An einem Sonntag, als das ganze Burggesinde zu einem Fest in der Umgegend ausgezogen und nur der Mitwisser ihres Planes auf ihren Wunsch hin zurückgeblieben war, versprach sie ihm einen hohen Lohn und die Stelle als Burgvogt auf Lebenszeit, wenn er ihr heimlich all’ die Goldtonnen in das Versteck brächte. Sie fürchtete immer, sie könnten geraubt werden; in dem Gewölbe unter der Eder wären sie aber sicher. Der Diener versprach ihr, alles zu tun, schaffte die Last nach der Eder hinab und wälzte die schweren Goldtonnen in das Gewölbe. Dann wurde es wieder gut verschlossen, Flusssand darüber gebreitet und der Damm durchstochen, dass die Ederwellen wieder über die Wölbung strömten, als wäre nichts geschehen. Ans Ufer pflanzte die Burgfrau eine Tanne, um ihre seltsame Schatzkamme jederzeit wiederfinden zu können. Niemand wusste um ihr böses Vorhaben, nur Gott und der Eck auf dem Treustein, der durch sieben Berge sehen kann. Der ballte die Faust und schwur ihr Vergeltung.

Als sie von ihrem heimlichen Werk wieder auf der Burg ankamen, stieß die teuflische Frau dem ahnungslosen Diener einen Dolch in den Nacken, dass er auf der Stelle tot hinfiel. Nun gab es keinen Mitwisser mehr, der ihre Freveltat hätte an den Tag bringen können. Sie selber legte sich Fesseln an, als wäre sie überwältigt worden. Als die fröhliche Schar vom Feste heimkehrte empfing sie sie mit Weinen und Wehklagen und erzählte, Räuber hätten die Burg überfallen, sie selber misshandelt und gefesselt, den Diener, der sich zur Wehr gesetzt, niedergestochen und alles Gold geraubt. Und als eines Tages der junge Ritter Kurt im Burghof einzog, belog sie ihn in derselben Weise und bereitete ihm einen sehr kühlen Empfang. Sie sagte ihm, nach dem letzten Willen seines Vaters hätte er kein Heimatrecht mehr auf ihrer Burg.

Voll Kummer stieg Kurt auf sein Pferd und kehrte traurigen Herzens der Heimatburg den Rücken. Er wollte nach dem Schloss Waldeck reiten; aber tief in Gedanken verloren überließ er seinem Ross die Führung und wurde erst aus seinen Sinnen aufgeschreckt, als es an einer Tanne unweit der Eder stehen blieb. Da er sehr müde war, stieg er ab, band sein Pferd an den Tannenstamm und setzte sich im kühlen schatten nieder, um zu rasten. Bald lag er im süßen Schlummer. Im Traum war es ihm, als hört er ein dumpfes Dröhnen und Rollen und wie aus den Tiefen der Erde ein leises Lied:

„Wir liebten unsern gnädigen Herrn
Und hatten seinen freund auch gern.
Dem Sohne, der am Ufer ruht,
Dem geben wir zurück sein Gut“.

Rasch sprang er auf. Da klatschte etwas in die Ederwellen, dass sie hoch aufspritzte und wie Goldglanz schimmerte es vom Flutengrund; ein Leuchten lag über dem Sandbett des Flusses. Um ihn her war ein geheimnisvolles Huschen und Springen, aber er sah nichts von den Ederzwergen; ihre Hollenhauben machten sie unsichtbar. Neben ihm am Ufer standen sieben Tonnen, bis zum Rand vol Gold. Und wieder begann der wundersame Gesang:

„Oh weh, er ist zu früh erwacht,
Nur sieben sind’s, es waren acht.
Die Körner fielen in den Sand
Und fließen bis zum Meeresstrand.
Vom bösen Weib war’s klug bedacht
Doch unser Eck hat treu gewacht.
Sieh hier dein Erbe; nimm es an
Und bleib’ ein wackrer Rittersmann“.

Nun begriff Kurt alles. Dem treuen Hollenvolke, das ihm sein Erbe wiedergab, war vor Schrecken über sein rasches erwachen die letzte Tonne entglitten und hatte ihre Goldschätze in die fluten verstreut. Kurt sage den treuen Zwergen vielen Dank und bat sie das Gold im Flusse als ihren Lohn und ihr Eigentum zu betrachten oder Armen damit zu helfen; er habe doch noch genug. Dann brachte er sein Erbe in Sicherheit und kaufte sich später die Burg Nordenbeck. Zur Burgherrin machte er eine waldeckische Gräfin.

Unterdessen war auch hold herangewachsen und war ein rechter Taugenichts und Verschwender geworden. Seine Mutter ließ ihrem Liebling immer gewähren, denn sie dachte an den unermesslichen Goldschatz in den Fluten. Als er sein väterliches Erbe bis auf den letzten Heller durchgebracht hatte und wie gewöhnlich in großer Geldnot war, vertraute sie ihm ihr Geheimnis an und erzählte von den Goldtonnen. Auf der Stelle musste sie mit ihm gehen, um ihm den Ort zu zeigen. Er ließ den Fluss abdämmen und das Gewölbe freilegen. Aber als sie den Schlussstein bei Seite wälzten, war das Gewölbe leer und ringsum erhob sich ein helles Hohngelächter. Voller Wut ließ hold seine Mutter in den Burgturm werfen und wurde von Stund’ an ein richtiger Raubritter. Die Leute nannten ihn nur noch den Unhold. Als seine Lehnsherren, den Landgrafen von Hessen, sein tolles Treiben zu arg wurde, ließen sie ihn einfangen und setzten ihn selbst ins Verlies, aus dem sie die arme Mutter bereiten. Kurt vergalt Böses mit Gutem und lud sie zu sich auf die neue Burg, wo sie fortan in Frieden lebte, aber bald verschied.

Die Erbstreitigkeiten zwischen den beiden Häusern nahmen lange Zeit kein Ende. Erst unter Anna von Viermünden wurden sie glücklich geregelt. Aus Dankbarkeit erbaute Anna von Viermünden die Nordenbecker Kapelle.

(Der Ursprungstext, der hier nur an wenigen Stellen bereinigt wiedergegeben wurde, stammt aus: ein Sagenkranz aus dem Waldecker Land von Oswald Koenig und L. Urspruch)



Sage vom Riesenstein


Von dieser Volksüberlieferung (Sage) gibt es zwei Versionen, die Ludwig Curtze zusammengetragen und in seinem Buch „Volksüberlieferung aus dem Fürstenthum Waldeck“ (1860) veröffentlich hat.

A) In dem Helgenberge ist ein verwünschtes Schloss gewesen; bei diesem liegt der Riesenstein, der durch einen Riesen dahin geworfen ist. Er hat auch da gesessen und sieht man auch noch daselbst seine Fußstapfen.

B) In dem Städtchen Naumburg, an der waldeck’schen Grenze, bauten die Einwohner zum Lobe Gottes und zum Heil ihrer Seelen eine Kirche, denn es war bis dahin an dem Orte noch keine vorhanden gewesen. Auf einem Berge über Züschen aber saß der Teufel und sah ergrimmt das fromme Werk von Tage zu Tage wachsen. Endlich konnte er seiner Wut nicht mehr Grenzen setzen; er erfasste einen ungeheuren Felsblock und wollte ihn nach Naumburg hinschleudern; allein er blieb ihm im Ärmel hängen und fiel zwischen Züschen und Altendorf in das Feld nieder. Da ging der Böse hin, setze sich auf den Stein und weinte blutige Tränen vor Zorn über den missglückten Wurf. Der Felsblock liegt noch dort und ist unter dem Namen Riesenstein bekannt. Man sieht noch, wo der Teufel gesessen hat; auch zeigt man drei rote Flecken daran, welche von den blutigen Tränen herrühren.



Die Sage vom Huckupp (Hockauf)


Verwandt mit dem Werwolf ist der hessisch-westfälische Böxenwolf, der in Wolfsgestalt dem Menschen aufhockte. Auch in Waldeck trat der Werwolf gelegentlich als Huckupp auf. Die Bezeichnung Böxenwolf war aber offenbar im Waldecker Lande nicht gebräuchlich.

„Henner, mach uff, ech honn en Wärwulf“

Auch Hermann Betz aus Waldeck wusste von Huckupps zu berichten. „Grusel- und Gespenster- geschichten“, zu denen auch die Geschichten von den Werwölfen zu rechnen sind, waren bis zur Jahrhundertwende ein beliebtes Thema für die abendliche Unterhaltung. Besonders in den Spinnstuben nahmen sie neben den unter jungen Leuten beiderlei Geschlechts üblichen Gesprächen einen breiten Raum ein. Die männliche Jugend verfolgte mit diesen Grusel-geschichten noch einen besonderen Zweck. Die Angebetete bekam es so mit dem Gruseln (Waldecker Ausdruck: „Gruggeln“) zu tun, dass sie das Angebot des Beschützers, sie auf dem abendlichen Heimweg zu begleiten, nur zu gern annahm.

Die Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf geschah auf folgende Weise: Aus der Haut eines totgeborenen Fohlens stellte man einen Gürtel her, der unter allerhand Anrufen und Zeremonien (Beschwörungen) an bestimmten Tagen, Neumond oder Vollmond, den Träger in einen Werwolf verwandeln sollte. Auch die Nachgeburt des Pferdes spielte dabei eine Rolle. Es war früher Sitte, die Nachgeburt nicht zu vergraben oder einfach auf den Misthaufen zu werfen. Sie wurde vielmehr an der Außenwand des Stalles an einem Holznagel des Fachwerkes aufgehängt. Vielen älteren Menschen sind solche getrocknete Zierarte aus ihrer Jugendzeit noch in Erinnerung.

In der Kluß (Clues), jenem dunklen Tal am Fuße des Schlossberges, wo heute das Café Seeblick steht, hauste zu der Zeit, als noch das Kloster Berich bestand, ein Einsiedler. Am Tage bemühte er sich um die frommen Pilger, die nach Berich kamen, nachts aber verwandelte er sich in einen reißenden Werwolf, der mit dem Bösen im Bunde war und die Pilger in Furcht und Schrecken versetzte. Sein letztes Opfer war nach einer Eintragung im Kirchenbuch der Stadt Waldeck ein Forstgehilfe namens Emde. Laut Aufzeichnung schleppte dieser einen Werwolf, der ihm in der Kluß auf den Rücken gesprungen war, den ganzen Weg herauf durch das Winkelchen bis an das Stadttor. Dort sprang der Werwolf ab und verschwand. Nach drei Tagen starb Forstgehilfe Emde an Erschöpfung. Wann genau diese Eintragung erfolgte, ist dem Verfasser nicht in Erinnerung. Es war vor etwa 250 Jahren.

Hinter der Sache steckten natürlich junge Burschen, die mit einem umgehängten Schaffell das Gruseltier spielten. Sie sprangen ängstlichen Gemütern auf den Rücken und ließen sich ein Stück Weges schleppen. Im Bergstädtchen Waldeck wurde der letzte „Werwolf“ vor etwa 90 Jahren gesehen. Er sprang einem stämmigen Mann auf den Rücken und ließ sich von diesem bis zum Hoftor schleppen. Dort rief der Träger: „Henner, mach uff, ech honn en Wärwulf!“ Mitunter kamen die „Werwölfe“ allerdings auch an den Unrechten und bezogen die wohlverdiente Tracht Prügel.

Quelle:

Waldeckisches Lesebuch, Band 2, Geschichte und Geschichten aus dem Waldecker Land von Hermann Bing

© 1984 by Wilhelm Bing Verlag, Korbach-Bad Wildungen


(Auf diese Geschichte wurde ich von Andrea Ginder aufmerksam gemacht)



Die Hollen - im allgemeinen als kleine schwarze Menschen beschrieben, vereinzelt auch als große Menschen genannt - kommen in der sächsischen Sagenwelt vor. Im Waldeckischen ab Alraff bis in den äußersten Norden Waldecks und auch in Ostwestfalen. Wahrscheinlich stammt dieser Typus von den Bergleuten, die im Allgemeinen kleinwüchsiger waren und durch den Staub beim Abbau von Erzen schmutzig aus dem Bergwerk kamen. Die vereinzelte Nennung von großen Menschen für die Hollen und kleinen Menschen für die Hünen, sind wohl eher irrtümliche Vertauschungen der beiden Typen.


Die Sage von der Hollenkammer (Dialekt)

De Sage von der Hollenkamer

Dat Felsenloch in Tentenberge twisken Löützen (Lütersheim) un Volkemissen (Volkmarsen) kennen je doch, dat is de Hollenkamer. Doa sit Löcher innenhoggen, fröher woren dat Skränke. Doadrinne wunnten Hollen, klene schwarte Mensken so graut wi ne Puppe. De kamen machmoa int Duorp un buoargeden sik Pötte un Pannen ton Kuoken und Broaden midde. Me konnte sik auk enen bestellen.

Emoa ackerde en Knächt out Löützen nit weit von dr Hollenkamer. Doa hoart'e Kloppen un dachte: De Hollen backen Koken. He ging nöäher hin un reep: "Holle,back mi auk en Koken midde!" Dann ackerde he ruhig wedder. Up emoa soeh he up 'n Laken en Koken liggen. He stutzede un woll 'n nit niämmen. As de Hollen dat soahen, reepen se: "Diän Koken nimmest de un vertärsten, söß kratzen wi di de Augen out. Duo hiäst en bestallt un ittesten auk!" Doa kriggt 'e Bange un hiät den Koken genommen un gegiätten. De schmachte nit schlächt, äwwer en twettemoa woll de Knächt mit dn Hollen doch nix te donne hawwen, et wor en nit geheuer. (Albert Leyhe, in "Waldecker Ortsspott", von Ludwig Bing, Verlag Wilhelm Bing, 1986)

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Das Felsenloch in Tentenberge zwischen Lütersheim und Volkmarsen kennen Sie doch, das ist die Hollenkammer. Da sind Löcher hineingehauen, früher waren das Schränke. Dort drinnen wohnten Hollen, kleine schwarze Menschen so groß wie eine Puppe. Die kamen manchmal ins Dorf und borgten sich Töpfe und Pfannen zum Kochen und Braten (damit). Man konnte sich auch einen (Kuchen bzw. "etwas") bestellen.

Einmal ackerte ein Knecht aus Lütersheim nicht weit von der Hollenkammer. Da hörte er Klopfen und dachte: Die Hollen backen Kuchen. Er ging näher hin und rief: "Holle, back mir auch einen Kuchen mit!" Dann ackerte er ruhig weiter. Auf einmal sah er auf einem Laken einen Kuchen liegen. Er stutzte und wollte ihn nicht nehmen. Als die Hollen das sahen, riefen sie: "Dein Kuchen nimmst du und verzehrst ihn, sonst kratzen wir dier die Augen aus. Du hast ihn bestellt und isst ihn auch!" Da bekam er Bange ( bzw. "Da wurde ihm Angst") und er hat den Kuchen genommen und gegessen. Der schmeckte nicht schlecht, aber ein zweitesmal wollte der Knecht mit den Hollen doch nichts zu tun haben, es war ihm nicht geheuer.


Die Hollenweiber

Hollen sollen große Weibsleute gewesen sein, die im Hollensteine in der Sunder gewoht haben. Wenn sie einen Haß auf Jemanden hatten, sind sie recht böse gewesen. Diese Hollen brauten auch und liehen sich dazu Bottiche im Dorfe. Sie setzten dieselben aber nach dem Gebrauch auf den Osterkopf hin und hier mußten die Leute sie wieder holen. (Überlieferung aus Usseln, in Volksüberlieferungen aus dem Fürstenthum Waldeck, von Ludwig Curtze)


Hollen rauben Kinder

Die Hollen sind kleine Leute gewesen, die sich haben unsichtbar machen können. Sie haben in dem Hollensteine gewohnt. Sie haben ihre Kinder gern mit denen der Menschen, die sie lieber hatten als ihre eigenen, vertauscht. Sie legten die ihrigen aber an deren Stelle. Deshalb lässt man auch noch jetzt in dem Hause, in welchem ein Kind geboren ist, ein Licht brennen bis das Kind getauft ist, weil sonst die Hollen kommen und es vertauschen. Wenn ihr Kind aber schrie, dann holten sie es wieder. (Erzählung aus Alraff, in: Volksüberlieferungen aus dem Fürstenthum Waldeck, von Ludwig Curtze)


Aberglauben

Wenn kleine Kinder kränkeln, dann müssen die Eltern Wolle und Brot in einen Wacholderbusch einer andern Feldflur bringen und dabei sprechen:

Ihr Hollen und Hollinnen,
hier bring' ich euch was zu spinnen
und was zu essen;
ihr sollt spinnen und essen
und meines Kindes vergessen.

Text aus "Aus der waldeckischen Heimat" Heft 1, 1924



Der Eck *) und der Küfer von Reinhardshausen

Vor langen Jahren, als es noch keine Eisenbahnen gab, war es Sitte, daß die jungen Handwerksgesellen, ehe sie sich als Meister niederließen, einige Jahre auf die Wanderschaft gingen, hier und dort arbeiteten und auf diese Weise Land und Leute kennen lernten.

So ging auch einmal ein junger Bursch namens Wilhelm aus Reinhardshausen auf die Wanderschaft. Er war das einzige Kind seiner Eltern und hatte die Küferei erlernt. Lange Jahre durchwanderte er die Welt. Inzischen waren seine eltern gestorben, ohne daß die Kunde zu ihm gelangte.

Seine nächsten Verwandten nahmen Besitz von seinem Gute und, als er so lange ausblieb, dachten sie er sei in der Fremde gestorben, und fühlten sich schon als Herren seines Erbes. Jetzt endlich begab sich Wilhelm, nachdem er sieben Jahre lang der Heimt ferngeblieben, auf die Heimreise. Als er Schloß Waldeck liegen sah und die Eder rauschen hörte, beschloß er, einen Abstecher zu der alten Burg zu machen. Auf dem Treustein angelangt, ließ er sein Auge über die Landschaft schweifen und sang mit heller Stimme:

„Der junge Bursch muß wandern,
Zu seh'n die weite Welt,
Von einem Ort zum anderen,
Macht Rast, wo's ihm gefällt.
Ich hört' die Donau rauschen,
Fuhr auf dem stolzen Rhein.
Ich sah gar manche Länder
und viele Städte fein.

Jetzt seh' ich unsere Berge,
Die stolze Burg darauf,
Die weiten grünen Täler,
Der Eder flinken Lauf.
Da muß ich feudig rufen:
Die ganze Welt ist schön,
Doch Waldeck ist das Schönste,
Das je mein Aug' gesehn.“

Da auf einmal sah er einen Zwerg neben sich stehen, der so sonderbare Bewegungen machte, daß Wilhelm hell auflachte. Der Wichtelmann machte ein ernstes Gesicht und sagt mit einem strafenden Blick zu dem Jüngling: „Alte Leute lacht man nicht aus! Willst Du mir aber einen Gefallen erweisen, so hole mein Hütchen von dem Baume dort. Der Wind hat es hinaufgeweht, als ich neben Dir stand und Deinem Gesang, der mir so gut gefiel, zuhörte.“ Der Bursch erwiderte: „Gern hole ich's Dir, aber ich sehe nur eine Spinnwebe an dem Baume.“ „Das ist es ja!“, erklärte der Zwerg.

Geschwind kletterte Wilhelm auf den Baum und holte das Gewünschte herunter. „So“, sagte der Wicht, „nun sollst Du auch Deinen Lohn haben, denn der Eck bleibt niemand etwas schuldig.“

Mit diesen Worten faßte er in seine Kutte und gab dem Burschein einen Becher aus glitzerndem Kristall. „Den vergiß nie, wenn Du zum Brunnen gehst, fügte er hinzu. Dann setzte er seine Nebelkappe auf und war verschwunden.

Wilhelm besah den Becher und dachte: „Wenn Du der Eck warst, konntest Du mir eigentlich etwas Kostbareres schenken.“
Er verbarg ihn aber doch in seinem Felleisen **). Dann machte er sich auf und kam beim Abendläuten zu Hause an.

Als er in die Stube trat und statt seiner Eltern Fremde dort hausen sah, sprangen Tränen aus seinen Augen, denn er begriff jetzt, daß seine Eltern in sener langen Abwesenheit gestorben waren und er allein in der Welt stehe. Da er auch noch merken mußte, daß seine Heimkehr keine Freude hervorgerufen hatte, fand er in der ersten Nacht in der Heimat keinen Schlaf.

Schon am frühen Morgen klopfte sein Oheim an seine Kammertür und sagte, die Tante sei diese Nacht so krank geworden, er möchte ihnen doch den Gefallen tun und vom Sauerborn einen Krug Wasser holen; dies könne allein der Leidenden Linderung bringen.

Diese Bitte war aber nur eine List der bösen Verwandten, um den Totgeglaubten wieder los zu werden. Ein verwünschter Mensch nämlich, der in einen Hund verwandelt war, bewachte den Brunnen seit ein paar Jahren und zerriß jeden, der sich dem heilkräftigen Borne näherte.

Wilhelm erklärte sich sofort bereit, das Wasser zu holen, nahm den Krug und wollte gehen. Da fielen ihm die Worte Ecks ein: „Wenn Du zu einem Brunnen gehst, vergiß den Becher nicht.“ Rasch ging er in seine Kammer zurück und holte den Becher.

Als er sich dem Brunnen näherte, sprang mit wütendem Gebell der große Hund auf ihn zu.
Da Wilhelm keine Waffe, nicht einmal einen Stock, bei sich hatte, streckte er in seiner Not dem Untier den Becher entgegen. Das Tier schnappte nach der Hand, faßte aber nur den Bech; der zerbrach und zerschnitt ihm das ganze Maul. Heulend vor Schmerz lief der Hund davon Er lief durch das ganze Land; beißen konnte er aber nicht mehr und mußte elend verhungern.

Wilhelm erkannte nun, daß ihm Eck durch den Becher das Leben gerettet hatte, und hätte es ihm gern gedankt; aber der Eck ist nicht alle Tage zu sprechen. Darum nahm er seinen Krug und ging heim.

Unterwegs begegnete ihm ein Bauer aus Reinhardshausen, der ihn fragt, wo er herkomme. Wilhelm entgegnete: „Vom Sauerborn“, und gab sich zu erkennen. Da sagte der andere: „Und der Hund hat Dir nichts getan?“ Wilhelm erzählte ihm sein Erlebnis, worauf der Bauer meint: „Dein Oheim und Deine Tante haben Dich nur deshalb zum Brunnen geschickt, damit der Hund Dich zerreiße; sie haben Dich so früh am Morgen gehen heißen, auf daß Dich niemand warnen könne.“

Als Wilhelm nach Hause kam, saß seine Tante gesund und vergnügt am Tische und ließ sich die Morgensuppe gut schmecken. Als sie ihn sah, blieb ihr vor Schreck der Löffel im Munde stecken.

Die hinterlistigen Verwandten mußten sofort das Haus Wilhelms verlassen und durften nichts mitnehmen. Wilhelm machte sein Meisterstück und stellte noch manches Winfaß an der Eder her, den damals wurde dort noch viel Wein gebaut.


Text aus: „Aus der waldeckischen Heimat, Heft 1, Seite 10-13, Erzählung nach Alexander Opper, Alt-Waldeck.

*) Der oberste der Ederzwerge
**) Felleisen - Satteltasche, Umhängetasche

- siehe auch Übersetzungsfehler



Eines Tages im tiefen Mittelalter, als sich die Wälder noch von den Alpen bis an die Nordsee fast lückenlos erstreckten, kam eine Reiterschar von Fritzlar her das Edertal hinauf gezogen. Die Rüstungen der Reiter glänzten in der hochstehenden Mittagssonne. An der Spitze der Reiterschaft ritt ein Graf, der mit seinen Rittern auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine Burg war. Sie ritten durch die Hemfurt der Eder - wonach der sich dort später gebildete Ort seinen Namen bekam - und kamen kurze Zeit später in das sich weit öffnende Tal, dem mittleren Edertal, wo heute, fast 1000 Jahre später sich das Hauptbecken des Edersees befindet.

An dem Hopfenberg, den heutigen Ederseeinseln, sahen sie einen Schäfer, der sich in der Mittagssonne an einem schattigen Platz zum Ausruhen in das Gras gelegt hatte. Seine Schafe frasen das saftige Gras der grünen Ederwiesen und die Hunde des Schäfers waren eifrig damit beschäftigt die Herde zusammen zu halten.

Der Graf lenkte sein Pferd zum Schäfer hin. Dort angekommen grüßte er und fragte ihn: "Weißt du hier in der Gegend einen guten Platz für den Bau einer Burg"? Der Schäfer, ohne auch die geringsten Anstalten zu tun aufzustehen hob seinen Fuß und zeigte damit an eine felsige Stelle eines ihm gegenüber befindlichen Berges und sprach zum Graf: "Dort oben an dem Waldeck"!

Der Graf bedankte sich beim dem Schäfer für seine Auskunft und zog mit seinen Rittern den beschwerlichen Weg durch den Wald hinauf zu der vom dem Schäfer gezeigten Stelle. Der Platz schien ausgezeichnet für den Bau einer Burg zu sein. Man konnte rundherum weit in das Land blicken und Steine für den Bau einer Burg konnte man in naher Umgebung brechen.

So schlugen sie dort ihr Lager auf und begannen mit den Bau der Burg. Wie es sich zeigte, war es ein schwieriges Gelände und wenn auch im Gefolge außer den Rittern Arbeiter und ein Baumeister waren, so gingen die Arbeiten nur langsam voran. Manchmal glaubten Sie die Arbeiten des Vortages wären über Nacht wieder rückgängig gemacht worden. Sie beratschlagten, wie sie bis zum Einbruch der kalten Jahreszeit, die seinerzeit bereits Ende Oktober mit Schnee und Eis bis in den April hinein aufwartete, zumindest einen Teil der Burg so weit gebaut zu haben, um sich vor Frost und Kälte in den neu errichteten Mauern schützen zu können.

Da erschien eines Nachts der Wichtelkönig Eck beim Grafen. Der Graf war überrascht vom plötzlichen Auftauchen des Ecks und zugleich belustigt über die kleine Gestalt des Zwergenkönigs. Der Eck nahm keinerlei Notiz von der abwertenden Haltung des Grafen ihm gegenüber und sprach zum Grafen: "Herr Graf, ihr seid hier in mein Reich gekommen und wollt hier eine Burg bauen. In diesen Felsen habe ich und mein Volk schon lange lange Zeiten meinen Sitz. Wenn wir beide mit unserer Gefolgschaft hier in Frieden gemeinsam leben wollen, so kann dies nur dann funktionieren, wenn wir gegenseitig uns einen Eid schwören und gleichzeitig einen Vertrag schließen, der uns zu einem friedlichen Zusammenleben und gegenseitiger Achtung verpflichtet".

Der Graf wusste nicht, wie er die kleine Person einschätzen sollte. Was hatte er schon von dem Wichtel zu befürchten. Der Eck, der den Grafen genau beobachte und auch seine Gedanken erahnte, hob seinen Goldhammer und schlug drei Mal auf den felsigen Grund. Augenblicklich blitzten rundherum tausende von Lichter auf, die die Hollen, sein Volk, in ihren Händen hielten. Der Graf war beeindruckt von diesem Schauspiel und merkte, dass dieser Wichtelkönig zu großen fähig war. Zum Eck sprach er: "Ich schließe mit dir den gewünschten Vertag und ich erkläre dir unter Eid, dass ich und meine Nachkommen, dir nie die Bergestiefen streitig machen werde und ich dir jeden möglichen Schutz gewähre". "Sobald der Vertrag zwischen uns geschlossen ist", sprach der Eck, "werde ich mit meinen Volk dir beim Bau der Burg helfen".

Als am kommenden Tag der Vertrag geschlossen und der gegenseitige Eid geleistet war, halfen die Wichtel Tag und Nacht beim Bau der Burg. Sie erwiesen sich als fleißig und handwerklich sehr geschickt. So dass der Bau der Burg in relativ kurzer Zeit beendet war und trotzdem die Mauern fest und solide gefügt waren.

Der Graf nannte die Burg nach dem Ausspruch des Schäfers "Waldeck". Der Vertag mit dem Wichtelkönig Eck hat auf Ewigkeit Bestand. Und so ist bei uns in Waldeck und an der Eder sowohl der Wichtelkönig Eck als auch die Burg erhalten geblieben.



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